Tiroler Industriekonjunktur verliert an Kraft
IV-Tirol Präsident Schretter: Variablen der Zukunft signalisieren Unberechenbarkeit – keine weitere Expansion der Produktion – Eurostabilisierung beruhigt„Die zunehmenden konjunkturellen Störfaktoren fordern auch in Tirol ihren Tribut", fasst der der Tiroler Industriepräsident, Dr. Reinhard Schretter, das Ergebnis der Konjunkturumfrage der Industriellenvereinigung Tirol zum 3. Quartal 2011 zusammen. „Energie, Rohstoffe, Staatsschulden, Finanzmärkte, Euro: Nach den Brüsseler Beschlüssen hoffen wir auf Beruhigung, aber viele Variablen der Zukunft signalisieren nach wie vor Unberechenbarkeit. Unternehmensplanung wird schwieriger, die Vorboten des Wachstumsrückgangs sind spürbar. Damit konzentriert sich unsere ganze Kraft wieder auf die Ertragssicherung und Zukunftsfähigkeit der Betriebe", analysiert Präsident Schretter die Indikatoren.
Export- und Auftragszahlen ziehen eine Bremsspur in der konjunkturellen Entwicklung. Die Bestände werden abgearbeitet, doch für Produktionsausweitungen fehlen aus heutiger Sicht die Auftragsperspektiven. Die preisliche Wettbewerbsfähigkeit leidet derzeit genauso wie die Expansionskraft der Unternehmen. Damit wird auch der Beschäftigungsaufbau in der Industrie schwieriger. Der Aufschwung wird voraussichtlich auch in den nächsten beiden Quartalen pausieren.
Als „große Bürde" für die Tiroler Industrie bezeichnet Präsident Schretter das überdurchschnittlich hohe Ergebnis bei den Metaller-Lohnverhandlungen. Das Androhen von Streiks hat auch einen Imageschaden gebracht - insbesondere bei den Qualitätsfaktoren Verlässlichkeit und Liefertreue. Der Rationalisierungsdruck steigt.
Umso mehr ist die Politik gefordert: Strukturreformen ja, neue Steuern nein.
Die Ergebnisse im Detail
Die Auftragseingänge haben sich im dritten Quartal verflacht. Insbesondere bei den Exporten ging die Reichweite zurück.
33 % - das sind um 4 Prozentpunkte weniger als im zweiten Quartal - bezeichnen den aktuellen Auftragsbestand als gut, 65 % verfügen über saisonübliche Aufträge.
An der Exportfront melden 47 % - im zweiten Quartal waren es noch 55 % - gute Ergebnisse. 50 % bezeichnen ihre Auslandsaufträge als saisonüblich beziehungsweise ausreichend.
Die nächsten drei Monate
Die Produktionstätigkeit wird in den nächsten Monaten etwas zurückgehen: 19 % rechnen mit einer Abschwächung bzw. 67 % wollen den Status Quo halten. Derzeitige Aufträge werden mit der bisherigen Auslastung von Anlagen, Maschinen und Beschäftigung abgearbeitet. An eine Expansion denken lediglich 14 %, das sind deutlich weniger als im zweiten Quartal.
Die Entwicklung der Verkaufspreise stimmt nachdenklich: Nur 8 % der Befragten rechnen mit einer Wettbewerbsfähigkeit über die Preise. Im zweiten Quartal waren dies noch 19 %. Nicht in der Lage, ihre Preise für Produkte und Leistungen zu erhöhen, sehen sich 74 %. Teure Rohstoffe, Vormaterialien, Erdöl und Energie können bei weitem nicht in voller Höhe über die Produkt- bzw. Verkaufspreise weiter gegeben werden. Die Ertrags- und Gewinnmargen bleiben dadurch gedrückt.
Rechneten im zweiten Quartal noch 16 % mit einer Steigerung des Beschäftigtenstandes, so glauben in der jüngsten Erhebung nur mehr 3 % der Betriebe daran, ihre Belegschaft in den nächsten drei Monaten aufstocken zu können. 91 % wollen ihren Personalstand unverändert halten, 6 % natürliche Abgänge nicht mehr nachbesetzen.
Schon die große Rezession 2008/2009 hat gezeigt, dass die Unternehmen trotz Wachstumseinbruch alles tun, um ihre Stammmannschaft zu halten.
Beim Zukunfts-Indikator „Geschäftslage in sechs Monaten" hält sich die Euphorie in Grenzen: 25 % der Unternehmen gehen sogar von einer ungünstigeren Entwicklung aus.


