„Wir brauchen mehr Europa, nicht weniger“
Ein Plädoyer für Europa, den Euro, die Solidarität mit Griechenland und für die alten Tugenden der sozialen Marktwirtschaft hielt Jean-Claude-Juncker beim „Tiroler Industrie Gespräch“.Bis auf den letzten Platz gefüllt war mit mehr als 800 Zuhörern die Dogana im Congress Innsbruck beim „Tiroler Industrie Gespräch", veranstaltet von der Industriellenvereinigung Tirol und dem Management Center Innsbruck.
Jean-Claude Juncker, Premier von Luxemburg und Vorsitzender der Euro-Gruppe, wandte sich gegen übertriebene Schlechtmacherei der aktuellen Situation: „Dem Euro geht es überhaupt nicht schlecht, die interne Stabilität des Euro ist gesichert, der Euro gehört zu den stabilsten Währungen der Welt", betonte er.
Wir sehen in Europa vieles einfach schon als selbstverständlich an: „Wir Europäer sind leider nicht stolz auf das, was wir in Europa erreicht haben. Aber die ganze Welt beneidet uns dafür. Nur wir glauben, dass wir alles falsch machen."
Sicherlich, die Defizite der EU-Länder seien zu hoch, aber immer noch deutlich niedriger als in den USA, sagte Juncker: „Deshalb wehre ich mich gegen Zurechtweisungen aus Washington."
Und zu den Ursachen der Krise: „Wir haben die Kardinaltugenden der sozialen Marktwirtschaft schleichend verlassen. Wir haben vor allem das Haftungsprinzip aufgegeben, dass derjenige, der Fehler macht, auch dafür einstehen muss."
Juncker: „Wir brauchen mehr Europa, nicht weniger, die Rückkehr zum Nationalismus wäre fatal." Europa müsse viel stärker mit einer einheitlichen Stimme sprechen. „Ich plädiere seit 1991 für eine Wirtschaftsregierung in Europa", sagte Juncker: „Das darf aber nicht zu einem deutsch-französischen Kommando führen."
Tirols Industriepräsident Reinhard Schretter versicherte Juncker, der als „Mister Euro" gilt: „Die Tiroler Industrie steht zu Europa, wir wünschen uns nicht, dass am Brenner wieder eine Grenze verläuft."


