Tiroler Industriekonjunktur: „Aufschwung mit Störfaktoren - Unterschiedliche Entwicklung von Unternehmen und Branchen“
IV Tirol Erhebung 1. Quartal 2011: Optimismus überwiegt – Ist-Werte stabil – Produktionstätigkeit und Beschäftigung nehmen weiter zu – steigende Kosten dagegen belasten und trüben das ansonsten heitere Konjunkturbild„Außergewöhnliche Ereignisse - in Japan und im arabischen Raum - sowie steigende Kosten schlagen sich im Konjunkturbarometer nieder. Doch insgesamt signalisieren die Indikatoren Optimismus, wenngleich die Risken der weiteren Entwicklung nicht übersehen werden. Viele Märkte, auf denen sich Tiroler Unternehmen bewegen, entwickeln sich nicht parallel. Deshalb sind auch die Bewertungen der Betriebe und Branchen unterschiedlich und differenziert zu betrachten, " präsentiert der Tiroler Industriepräsident, Dr. Reinhard Schretter, die Tiroler Industrie-Konjunktur im ersten Quartal 2011.
Die Geschäfts- und Auftragslage hat sich in der Tiroler Industrie gegenüber dem letzten Quartal minimal verändert. Lediglich die Steigerung der Produktionstätigkeit macht sichtbar, dass viele Unternehmen gut ausgelastet sind. Dafür benötigen sie auch entsprechendes Personal. An der Preisfront allerdings - teure Rohstoffe, Energie, steigende Zinsen, Euro/Dollar-Kurs - ziehen Wolken auf. Die Kostenentwicklung entpuppt sich mehr und mehr zum Wachstumsdämpfer. Den Betrieben wird eine große Anpassungsfähigkeit abverlangt, gilt es doch, den spürbaren Anstieg des Preisniveaus auszugleichen. Geringere Erträge und damit ein enger finanzieller Spielraum könnten große Investitionen verzögern.
Die Botschaft an die neue Bundesregierung ist unverändert: „Schuldenabbau und Budgetdisziplin sind unbedingt notwendig, um einen größtmöglichen Gestaltungsspielraum für die Zukunftsbereiche Bildung, Forschung und Entwicklung sowie Infrastruktur zu wahren," so die Meinung der Tiroler Industrie.
Die Ergebnisse im Detail:
Mit dem aktuellen Auftragsbestand sind die Tiroler Industrieunternehmen - so wie im letzten Quartal - mehrheitlich zufrieden. Nur 2 % bezeichnen die gegenwärtige Situation als schlecht. 30 % bewerten die aktuelle Nachfrage als gut. 68 % melden eine saisonübliche Auslastung.
Auch das Exportgeschäft hat im ersten Quartal nicht an Kraft verloren. Der Indikator Auslandsaufträge signalisiert durchaus Prosperität. 46 % beurteilen die Exporte als gut, 52 % als ausreichend. Trotz mancher Probleme auf den Weltmärkten konnte sich die Tiroler Industrie gegen härteste Konkurrenz durchsetzen. Lieferausfälle in einigen Märkten konnten - zumindest bis jetzt - durch eine starke Präsenz in anderen Regionen wettgemacht werden.
Die Erwartungen für die nächsten 3 Monate:
Die breite Auslastung in der Tiroler Industrie ist nahezu ein Garant, dass der Konjunkturmotor auch in den nächsten drei Monaten rund läuft. Immerhin 20 % der befragten Betriebe - im letzten Quartal waren es lediglich 3 % - rechnen mit einem spürbaren Produktionszuwachs. Weitere 77 % gehen von einer gleich bleibenden Produktionstätigkeit aus.
Bei den Verkaufspreisen melden 24 % der Unternehmen eine Steigerung. Diese Erhöhungen werden nicht zuletzt auch auf den Anstieg von Beschaffungskosten für Vorprodukte, Material und Rohstoffen zurückgeführt.
Der Mitarbeiteraufbau gewinnt vorübergehend an Dynamik: 18 % der Unternehmen planen eine Aufstockung ihres Beschäftigtenstandes. 80 % hoffen, ihre Mitarbeiter halten zu können. Nur mehr 2 % befürchten, ihren Personalstand reduzieren zu müssen. Zuletzt waren dies noch 10 %.
Noch verschärfen dürfte sich allerdings der - nach wie vor bestehende - Facharbeitermangel in vielen technischen Bereichen, den die Krise etwas überdeckt hat. Ob die Öffnung des Arbeitsmarktes für Arbeitnehmer aus den östlichen Nachbarländern ab 1. Mai für qualifizierten Nachwuchs sorgen wird, wird die Zukunft klären.


