IV-Präsident Schretter: „Forschungsturbo zuschalten – Tirol zum Innovationsland Nummer 1 führen“
Positionen der Industriellenvereinigung zur Stärkung von Forschung und Entwicklung in TirolForschung und Innovation sind die Triebfedern für die Wettbewerbsstärke der Tiroler Wirtschaft. Hier gilt es die optimalen Rahmenbedingungen für unsere Unternehmen zu schaffen, und zwar sowohl auf der regionalen als auch auf der nationalen und europäischen Ebene. Der IV Tirol ist es wichtig, dass die impulsgebende Funktion der Tiroler Industrie anerkannt und unterstützt wird, um ein nachhaltiges Wirtschafts- und Beschäftigungswachstum sicherzustellen.
„Die Tiroler Industrie ist forschungsaktiv, innovativ und international vernetzt. Mit unserem 8-Punkte-Programm für F&E in Tirol wollen wir uns sehr gezielt in die Tiroler Forschungspolitik einbringen und uns insbesondere eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft, Bildung und der Wirtschaft bemühen," so Präsident Dr. Schretter.
8-PUNKTE-PROGRAMM DER IV TIROL - VORSCHLÄGE UND ANREGUNGEN
Die IV Tirol hat ein 8-Punkte-Programm entwickelt, das auf die Stärkung des gesamten Forschungs- und Innovationsraums Tirol abzielt und folgende Maßnahmenvorschläge enthält:
1. Tirol braucht eine klare Strategie für Forschung, Technologie und Innovation (FTI)
Die Erarbeitung einer klar definierten FTI-Strategie für Tirol ist sinnvoll und notwendig, um die aktuelle und künftige Bedeutung von Forschung und Innovation für Tirol zu unterstreichen, den Forschungs- und Innovationsstandort Tirol nachhaltig zu stärken sowie neue Ideen und innovative Firmen zu unterstützen. Eine verbindliche und umsetzungsorientierte Tiroler FTI-Strategie leistet einen Beitrag zur Sicherstellung der erforderlichen öffentlichen Mittel und Ressourcen und deren zielgerichteten Einsatz.
2. Einrichtung eines Rates für Wissenschaft und Forschung und Einbringen von Unternehmensinteressen
Mit der geplanten Einrichtung des neuen Rates für Wissenschaft und Forschung in Tirol wird ein wichtiges strategisches Beratungsorgan für die Tiroler Landesregierung geschaffen. Umso wesentlicher ist es aus Sicht der Wirtschaft und Industrie, dass die Anliegen der Tiroler Unternehmen im Rat von Beginn an eingebracht werden und entsprechende Verstärkung erfahren.
3. Bestehende Wirtschaftsförderinstrumente für F&E und Innovation straffen und für große Unternehmen zugänglich machen
Die derzeitigen Tiroler Landesförderungen sollten einer Analyse und Neuausrichtung unterzogen werden, um einen einfacheren Zugang und eine bessere Transparenz für Unternehmen zu bewirken. Hierbei wäre der Ausbau der risikohaften und wachstumsorientierten Finanzierungsmöglichkeiten für junge, kleine, innovative technologieorientierte (Industrie)unternehmen zu berücksichtigen. Weiters sollten die Tiroler Förderinstrumente auch für spezifische Einzelprojekte von Großunternehmen offenstehen, weil diese als Leitbetriebe wichtige Impulsgeber für regionale Wertschöpfungsketten und kleine und mittlere Unternehmen sind.
4. FFG-Anschlussförderung des Landes Tirol einrichten
Aus Sicht der Tiroler Industrie sollte eine Anschlussförderung des Landes Tirol an die FFG-Basisprogramme in die Wege geleitet werden, um diesen attraktiven Förderhebel zum größten österreichischen Unternehmensforschungsprogramm auch für die Tiroler Firmen nutzbar zu machen, neue Tiroler Unternehmen mit diesem attraktiven Instrumente für Forschungsaktivitäten zu gewinnen und um eine Gleichstellung mit den Unternehmen anderer Bundesländer zu gewährleisten (bis auf Tirol und Wien haben alle österreichischen Bundesländer derartige ergänzende Fördermechanismen eingerichtet).
5. Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Wirtschaft verstärken
Die Kooperation und der Austausch von Unternehmen mit Wissenschafts- und Forschungs-einrichtungen innerhalb und außerhalb Tirols soll gezielt verstärkt werden. Weiters sollten in Ergänzung zu den derzeitigen Cluster-Aktivitäten auch neue thematische Schwerpunkte (z.B. Materialtechnologien) angesprochen werden, deren Definition sicherlich einer fundierten Diskussion bedarf. Auch die bedarfsorientierte künftige Entwicklung der Bildungs- und Forschungsstrukturen in Tirol und Westösterreich insgesamt - insbesondere im technisch-/ naturwissenschaftlichen Bereich - ist wichtig, um die Verfügbarkeit von qualifizierten Spezialisten für die Wirtschaft sicherzustellen.
6. Anwendungsorientierte Forschungsstrukturen ausbauen
Die Analyse der derzeitigen außeruniversitären bzw. kooperativen Forschungsaktivitäten zeigt, dass hier in einigen Bereichen - insbesondere in Anbetracht der stark ausgeprägten Strukturen für die Grundlagenforschung - in Tirol noch Aufholpotenzial besteht. Hinweise darauf sind die derzeitig eher geringe Nutzung von spezifischen Forschungsförderungsprogrammen, wie etwa dem Innovationsscheck, COMET, CD-Labors, den Thematischen Programmen der FFG, und der Programmlinie „Translational Research" des FWF, die durch eine intensivere Unternehmensbetreuung durch öffentlichen Einrichtungen optimiert werden könnte.
7. Tirol für internationale Spitzenkräfte attraktiver machen
Die Tiroler Wirtschaft ist in hohem Maße international orientiert, auch haben zahlreiche multinationale Unternehmen einen Unternehmensstandort in Tirol. Vor dem Hintergrund des globalen „war for talents" ist es sinnvoll, die Standortattraktivität für internationale Spitzenkräfte zu steigern (wie etwa die Einrichtung einer international akkreditierten Schule).
8. Bewusstseinsbildung für Forschung und Innovation in Bevölkerung und Wirtschaft vorantreiben
Ein regionales Klima, das Innovationsgeist und wirtschaftliche Dynamik positiv beeinflusst und das die Zukunftsrelevanz von Investitionen in Forschung, Bildung und Innovation im öffentlichen Bewusstsein zu verankern vermag, stellt einen motivierenden Faktor für das Technikinteresse von jungen Menschen und die Forschungs- und Innovationsaktivitäten von Unternehmen, insbesondere von KMU, dar. Daher ist es für Tirol wichtig, durch geeignete Maßnahmen, wie zB Medienaktivitäten, öffentlich-keitswirksame Veranstaltungen, Kooperationen zwischen Schulen und der Wirtschaft etc., Bewusstseinsbildung zu betreiben.
„Mit diesen Vorschlägen und Anregungen kann ein Tiroler Forschungsturbo zugeschaltet werden. Die Industriellenvereinigung will mithelfen, Tirol zum Innovationsland Nummer 1 zu führen," so IV-Präsident Dr. Reinhard Schretter. „Unsere Innovationsplattformen sollen dabei den Erfahrungsaustausch unter den Unternehmen fördern."
Studienautorin Mag. Gerlinde Pöchhacker-Tröscher: „Unsere Analyse hat gezeigt, dass Tirol die besten Voraussetzungen hat, zu einer Spitzenregion für Forschung und Innovation mit internationaler Sichtbarkeit zu werden. Von zentraler Bedeutung ist sicherlich die Entwicklung einer zukunftsorientierten Forschungs- und Innovationsstrategie, die ein gezieltes Andocken an nationale und europäische Programme unterstützt. Auch die Forcierung der angewandten Forschung und die Weiterentwicklung der regionalen Forschungsförderungsinstrumente, insbesondere für große Unternehmen, empfehlen wir."


