Tiroler Industriekonjunktur – III. Quartal 2010: „Erholungsphase ohne kräftige Lebenszeichen“
Zwiespältiger als im zweiten Quartal 2010 präsentieren sich die Ergebnisse in der jüngsten Konjunkturumfrage der Industriellenvereinigung Tirol.Die Konjunkturerholung findet statt, aber sie zeigt keine kräftigen Lebenszeichen. Die gegenwärtige Auftragslage im In- und Ausland kurbelt die Tiroler Industrie-Lok zwar kräftig an, doch die bevorstehenden Monate sind nach wie vor von Unsicherheit geprägt. Einige Betriebe und Branchen fürchten eine mangelnde Auslastung. Auch Leitbetriebe erwarten neue Belastungen durch steigende Kosten beim Material, bei den Vorprodukten und Rohstoffen sowie beim Personal bzw. durch die bevorstehende Budgetsanierung", kommentiert der Tiroler Industriepräsident Dr. Reinhard Schretter die aktuellen Konjunkturzahlen.
Die Zurückhaltung vieler Unternehmen bei Investitionen oder bei der Einstellung neuer MitarbeiterInnen ist ein Zeichen, dass derzeit nicht alle an einen nachhaltigen Aufschwung glauben und auch nicht abschätzen können, was steuerpolitisch in den nächsten Monaten genau passiert.
„Die Reformen in den Bereichen Verwaltung, Bildung und Pensionen sind nicht länger aufschiebbar. Schade, dass beim jüngsten Budgetentwurf wieder eine Chance nicht genützt wurde", so Präsident Schretter. Er bezweifelt auch, dass durch „sprudelnde Steuereinnahmen" Bundes-, Landes- oder Gemeindebudgets saniert werden können. Derartige Erwartungen in der Politik würden sich lediglich als Fata Morgana erweisen, so der Tenor aus der IV Tirol.
Die Ergebnisse im Detail
Die Beurteilung „gut" beim Indikator „derzeitige Geschäftslage" kletterte von zuletzt
22 % auf aktuell 36 %. Dies ist auf den ersten Blick ein sichtlich höherer Gang.
Die Auftragseingänge haben sich nach oben verbessert - beim Inland- und ganz besonders beim Exportgeschäft. 38 % bezeichnen den aktuellen Auftragsbestand als gut, 61 % verfügen über saisonübliche Aufträge.
Die Auslandsaufträge sind bei der Beurteilung „gut" von 38 % auf 52 % im III. Quartal geklettert. Das ist ein kräftiger Impuls. 45 % bezeichnen ihre gegenwärtige Auftragslage als saisonüblich bzw. ausreichend. Nur 3 % sind mit ihren Ausfuhren unzufrieden.
Die nächsten drei Monate
Die Indikatoren Produktionstätigkeit, Verkaufspreise und Beschäftigtenstand zeichnen allerdings für die nächsten drei Monate ein etwas anderes Konjunkturbild.
Nur mehr 9 % der befragten Unternehmen rechnen mit einer steigenden Produktionstätigkeit. Im vorhergehenden Quartal waren es noch 20 %. „Etwa gleich bleiben" wird das Niveau bei 75 %, 16 % muss die Produktion sogar zurückfahren. Das ist Ausdruck großer Vorsicht.
Auch bei den Verkaufspreisen gibt es wenig Spielraum: 17 % rechnen mit fallenden Preisen, 79 % gehen von einer „etwa gleich bleibenden" Lage aus. Nur 4 % der Befragten hegen die Hoffnung, ihre Verkaufspreise in den nächsten drei Monaten anheben zu können.
Die Sorgen einer zunehmenden Kostenbelastung spiegeln sich auch bei den Beurteilungen des Beschäftigtenstandes wider: 89 % rechnen für die nächsten drei Monate mit gleichbleibender Belegschaft. 9 % wollen neue Mitarbeiter einstellen.


