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[ 13.01.2010 ]
„Licht am Ende des Tunnels, aber auch entgegenkommende Züge“Sprichwörtlich „aus allen Nähten“ platzte der Neujahrsempfang 2010 der Industriellenvereinigung Tirol. Fast 500 Teilnehmer, die hohe Geistlichkeit, die Spitzen der Politik, der Sozialpartner wie auch der öffentlichen Verwaltung, sowie zahlreiche IV Mitglieder besuchten das Treffen am 12. Jänner im Congress Innsbruck.Die mit Spannung erwarteten Ausführungen des Tiroler Industrie-Präsidenten, Dr. Reinhard Schretter, zeichneten das Bild einer zähen Konsolidierung: „Mancher Leitbetrieb, viele Unternehmen und Branchen befinden sich auf dem Pfad der Besserung. Doch ein selbsttragender Aufschwung ist das noch nicht. Viele sehen Licht am Ende des Tunnels, aber auch entgegenkommende Züge."
Österreich schleppe seit Jahren strukturelle Defizite mit sich. Dazu kämen sinkende Steuereinnahmen, steigende Arbeitslosigkeit sowie die Notwendigkeit, nach wie vor konjunkturell gegenzusteuern, stellte Präsident Schretter fest und meinte:
„Die Strategie für die Zukunft muss lauten: Ausgabenseitige Budgetkonsolidierung und Effizienz vor allem in den Bereichen Gesundheit, Pensionen, Verwaltung und Bildung. Im internationalen Wettbewerb ist selbst Mittelmaß zu wenig. Aber europaweit eines der niedrigsten Pensionsantrittsalter, überdurchschnittlich hohe Pro-Kopf-Gesundheitsausgaben oder eine sehr teure Kompetenzzersplitterung bei den Gebietskörperschaften lähmen den Gestaltungsspielraum für Zukunftsinvestitionen. Es wird jenes Geld gebunden, das zukunftsorientiert eigentlich in Bildung, Forschung und Infrastruktur fließen sollte. Es ist erschreckend: Die Ausgaben für die Zinsen der Staatsschuld sind bald gleich hoch wie die Ausgaben für Bildung und Forschung. Leider ist noch keine Strategie zu erkennen, wie Österreich die gestiegenen Schulden mit stark wachsender Zinsenlast in absehbarer Zeit abbauen will. Es stimmen zwar die Zielformulierungen, doch bei der Umsetzung hinken wir Jahre hinterher. Der Reformstau blockiert Investitionen für die Zukunft. Aber nur wenn ein Staat effizient ist, kann er auch dauerhaft sozial sein."
Bildung - das entscheidende Politikfeld der Zukunft
Weder Streiks noch zu hinterfragende Vergleichstests brächten Österreich weiter, sondern nur ein Schul- und Bildungssystem, das individuelle Potenziale erkennt und nützt, Begabungen fördert, die Pädagogik verfeinert, Chancenwahrnehmung ermöglicht und sich dabei auch effizient verwaltet.
„Gute Lehrer fördern gerne und lassen sich auch gerne fordern", so Präsident Schretter, der den Studentenprotesten in einem Punkt sogar recht gibt: „Es geht um Bildung, nicht nur um Ausbildung. Es geht nicht um das Heranziehen von Technokraten, schon gar nicht um die Verwissenschaftlichung des Hausverstandes. Wir brauchen Hochschulabsolventen, die die Komplexität der Welt begreifen, die die geschichtlichen Zusammenhänge sehen oder auch wissen, dass Ausgaben kleiner sein sollten als die Einnahmen."
Leadership in Gesellschaft und Unternehmungen erfordere umfassendes, bereich- übergreifendes Wissen, benötige die Verknüpfung des Machbaren mit dem Sinnvollen und des Sinnvollen mit dem Möglichen. Vor allem brauche man aber auch eine Jugend, deren Interesse für Wirtschaft, Naturwissenschaften und Technik geweckt sei und die Offenheit gegenüber Neuem verspüre und ausstrahle.
Mehr Flexibilität bei der Arbeitszeit
Großen Handlungsbedarf sieht die Tiroler Industrie nach wie vor bei den Arbeitszeiten: „Weitere Flexibilisierungsschritte bei der Arbeitszeit sind nicht länger aufschiebbar, das Abfedern von Auftragsschwankungen erfordert es. Die Spielräume bei den Durchrechnungszeiten sind zu gering. Es kann übrigens nicht funktionieren, dass es uns allen besser geht, wenn wir alle weniger tun. Die Freizeitgesellschaft löst keine Probleme."
Sozialpartner: Appell an Gemeinsamkeit
Klare Worte richtete Präsident Schretter an die Tiroler Sozialpartner: „Wir werden 2010 zusammenrücken müssen, um die Herausforderungen zu bewältigen. Wirtschaften im konjunkturellen Tief funktioniert nicht nach dem Sündenbock-Prinzip und gegenseitiger Schuldzuweisung. Ziehen wir doch gemeinsam in dieselbe Richtung der Zukunftssicherung. Verbale Auseinandersetzungen oder provozierende Vorurteile lösen keine Probleme, sie schaffen höchstens neue. Es sind letztlich unternehmerische Leistungen, welche unter Bedachtnahme auf Mitarbeiterinteressen Wohlstand, Sozialsysteme sowie Unabhängigkeit sichern, Geld für Gesundheit und Bildung erwirtschaften und eine große Vielfalt in der Arbeitswelt bieten." Abschließend bedankte sich der Tiroler Industriepräsident bei allen, die die Tiroler Industrie in den vergangenen Monaten getragen, geformt und an sie geglaubt haben. Auch im 2. Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts werde die IV Tirol ein konstruktiver Partner aller vernünftigen Kräfte des Landes sein - genau nach dem Motto:
„Der beste Weg, die Zukunft vorauszusagen ist, sie zu gestalten. Wer sagt, dies sei nicht möglich, sollte nicht dem im Wege stehen, der es versucht."
[ IV Tirol ]
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