3. Erfahrungsaustausch Schule und Industrie 19.+20. Oktober 2004 bei KTW
Die Seminarreihe "Die Industrie wird weiblich: Neue Chancen in Industrie und Technik - die Zukunft für Mädchen und junge Frauen" - eine Kooperationsveranstaltung der Volkswirtschaftslichen Gesellschaft Tirol mit der Industriellenvereinigung Tirol - fand am 19. und 20. Oktober 2004 im Tiroler Oberland ihre Fortsetzung.Tagungsort:
KTW Software & Consulting GmH, Kirchbichl
Ziel dieses zweitägigen Seminars für Lehrerinnen und Lehrer ist die Förderung des Austausches zwischen INDUSTRIE und SCHULE. Zudem soll ein nachhaltiges Zeichen gegen den in wenigen Jahren drohenden Fachkräftemangel gesetzt werden.
Dienstag, 19. Oktober 2004, ab 14.00 Uhr
Am ersten Tag informierten und diskutierten Experten über Möglichkeiten der Frauen im industriellen und technischem Bereich.
14.00 Uhr Empfang und Begrüßung bei KTW
14.15 Uhr Österreichweite Initiativen für Frauen
Dr. Michaela Marterer (STVG)
FIT – Frauen in die Technik
Mag`ra Andrea Salzburger
14.30 Uhr Frauen in der Tiroler Industrie und im technischen Bereich
Dr. Wolfgang Paulmichl (IV Tirol)
14.45 Uhr Schülerinnen im technischen Bereich in Tirol
LSI Dr. Kurt Falschlunger
15.00 Uhr Diskussion, kurze Pause
15.30 Uhr Besichtigung der Firma KTW Software & Consulting GmbH
16.00 Uhr Fraueninitiativen in der Praxis – IT-Frauen
Frau Hacadur Otyan, Unternehmerin (KTW)
16.15 Uhr Arbeitsumfeld für Frauen bei Pirlo GesmbH & Co
Dipl.-Ing. Rainer Carqueville, Geschäftsführer
16.30 Uhr AMS-Projekte für Arbeitnehmerinnen in Tirol
Anton Kern, stellvertretender Geschäftsführer AMS Tirol
16.45 Uhr Diskussion
17.15 Uhr Ende der Veranstaltung
Die Power Point Präsentationen der Impulsvorträge finden sie im Anhang begefügt.
Mittwoch, 20. Oktober 2004, bis ca. 17.00 Uhr
Am Vormittag wurden zwei Firmen in Kufstein besucht.
- Freudenberg Simrit GesmbH & Co KG Untere Sparchen 43; Kufstein; Tel: 05372 691012 www.simrit.at
- Pirlo GesmbH & Co Hugo Petterstraße 8-14; Kufstein; Tel: 05372 64923 www.pirlo.com
Nach einem gemeinsamen Mittagessen, das auf Einladung der Industriellenvereinigung Tirol erfolgte, konnten weitere Vertreter/innen aus der Wirtschaft sowie Mädchen, die sich entweder noch in der Lehrausbildung eines mädchenuntypischen Berufes befinden oder diesen bereits abgeschlossen haben, begrüßt werden.
In einer Fragerunde an Yvonne Haider (Maschinenmechanikerin, Johann Rathgeber GmbH), Tanja Hofer (Konstrukteurin, Firma Freudenberg Simrit), Sandra Mitterer (Druck-vorstufentechnikerin, Pirlo GmbH &Co), und deren Firmenbegleiter/innen konnte festgestellt werden, dass die Entscheidung in nicht klassischen Männerberufen zu arbeiten entweder durch Vorprägung des familiären Hintergrunds oder auf Grund von Interesse gefallen ist. Die Eltern unterstützen die Entscheidung aller an der Gesprächsrunde beteiligten Frauen sehr positiv und überließen die Entscheidung den Mädchen selbst. In der Schulzeit wurden sie jedoch kaum über mögliche alternative Berufe informiert. Die junge Frauen waren auch positiv überrascht, dass Berufsorientierung im Vergleich zu ihrer Schulzeit eine bedeutendere Stellung in der Schule gefunden hat. Für die Frauen kann abschließend festgehalten werden, dass das eigene Selbstbewusstsein der Mädchen sowohl in der Berufsfindung, wie in der Schulzeit, als auch im Berufsleben eine entscheidende Rolle spielt.
Anschließend wurden Themen zu einem Workshop erarbeitet. Es kristallisierten sich 4 Schwerpunktthemen heraus, die in Arbeitsgruppen bestehend aus VertreterInnen von Schule und Industrie bearbeitet wurden.
Folgende Ergebnisse können zusammengefasst werden:
Arbeitsgruppe 1:
Thema: Realbegegnungen für Schüler/innen und Lehrer/innen
Der Ist- Stand aus der Sicht der Schule wurde erfasst:
Es gibt viele Initiativen:
- Betriebserkundungen
- Wirtschaft und Schule
- Fachleute in die Schule
- Berufspraktische Tage
- Schnupperwoche
- Wettbewerbe
- Mut!
- Girls’ Day
- Schüler/innen leiten einen Betrieb
Alle Initiativen können verstärkt unter dem Gesichtspunkt „Mädchen in die Industrie“ betrachtet und durchgeführt werden.
Der Wunsch der Schulen: Mehr Lehrstellen für Jugendliche! Durch mehr Lehrstellen können auch mehr Mädchen in die Betriebe untergebracht werden!
Arbeitsgruppe 2:
Thema: Welche Erwartungen stellt die Industrie an die Schule und die Schule an die Industrie? Wie viel Wert legt die Industrie auf die Lehrlingsausbildung?
Die Lehrlingsausbildung ist in ihren gesetzlichen Rahmenbedingungen speziell für Klein- und Mittelbetriebe sind nicht ideal. So ist etwa eine Kündigung nach der Probezeit ist nicht möglich und die häufige Abwesenheit bedingt durch die Berufsschule stellt ein Zusatzproblem dar.
Die Erwartungen der Industrie an die Schule:
Persönlichkeitsbildung (mit 16 Jahren und schon früher)
- Teams, Auftreten
- Offen mit Berufswünschen der Schüler/innen umgehen
- Betriebspraktika für Lehrer/innen
Die Erwartungen der Schule an die Industrie
- Intensivierung der Kontakte, des Dialogs, des Informationsaustausches
- Transparenz bei der Berufsbildung (Weiterentwicklung eines Berufes)
- Bewertung des Unterrichts (der Lehrpersonen)
Arbeitsgruppe 3:
Die Vorurteile unserer Gesellschaft gegenüber Mädchen in die Industrie; Elternarbeit und Sensibilisierung für Berufs- und Bildungswahl, Möglichkeiten der Kooperationen für AHS Die Gesellschaft hat nach wie vor klassische Rollenbilder z. b. sind leitende Mitarbeiter nach wie Männer.
Diese Vorurteile spiegeln sind in den Einstellungen der Eltern wieder. Die Imageaufbesserung und Imagearbeit ist zu intensivieren und muss noch früher vor allem bei den Jugendli-chen angesetzt werden. Jugendliche selbst sollen als Vorbilder dienen.
Das Rollenverständnis lässt sich nur langsam ändern – es ist auch Geduld gefordert.
Im AHS Bereich ist es notwendig die Berufsorientierung zu verstärken um Eignung und Neigung der Schüler/innen zu erkennen
Arbeitsgruppe 4:
Thema: Persönlichkeitsbildung in der Schule – Grundkompetenzen für alle.
1. Inhaltliche Bildung (Grundbildung in den Berufen wird in der Polytechnische Schule, und speziell in der
BMHS sowie in der Berufsschule durchgeführt)
2. Erwartungen der Industrie allgemein.
> Höflichkeit / Benehmen
> Kommunikation
- Zuhören
- W-Fragen
- Teamfähigkeit
- Konfliktfähigkeit
- Mitteilen
> Leistungsbereitschaft
> Flexibilität
> Lernlust
Derzeit sind die Methoden aber nicht ausreichend. Es gilt somit die Methodendiskussion verbessern und auch die Rahmenbedingungen verbessern
3. Eine zusätzliche Möglichkeit und eine Hilfestellung zur Selbsterkenntnis des eigenen Profils der
Schüler/innen - außerhalb der schulischen Bewertung – könnte für beide Seiten nützlich sein um
erworbene soziale Kompetenzen sichtbar zu machen. Denkbar ist ein Modellversuch: mit einer Schule
Abschlussklasse ein Persönlichkeitsprofil (z.B. Dominanzmodell) zu erstellen, dass den Schüler/innen
und den Un-ternehmer/innen eine weitere Möglichkeit außerhalb der Schulnoten der Bewertung
ermöglicht.


